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Von der Missionspfarrei zur Leitungsteam-Pfarrei

Kurzer Überblick über die Pfarrei St. Jutta

Geographische Lage

Die Pfarrei St. Jutta liegt im Bundesland Sachsen-Anhalt im Landkreis Mansfeld-Südharz und erstreckt sich von den südlichen Ausläufern des Harzes bis zum Fuß des Kyffhäuser. Im Süden und Westen wird die Pfarrei von der Landesgrenze zu Thüringen begrenzt bzw. von der identischen Grenze zum Bistum Erfurt. Die Hauptkirche der Pfarrei sowie das Büro und ein kleines Gemeindehaus befinden sich in der Kreisstadt Sangerhausen. Westlich davon erstreckt sich das breite, fruchtbare Tal der Goldenen Aue, im Osten reicht das Pfarrgebiet bis nahe an die Lutherstadt Eisleben.

Die Berg- und Rosenstadt Sangerhausen verfügt über das weltgrößte Rosarium mit ca. 8.600 Rosensorten und blickt auf eine lange Tradition im Kupferbergbau zurück. Sie ist mit der romanischen Ulrich-Kirche Teil der Straße der Romanik, verfügt aber auch über Kirchen in gotischem, neogotischem und in modernem Stil, die von fünf Konfessionen genutzt werden.

Die Zahl der Katholiken in dem rund 800 qkm großen Pfarrgebiet (zum Vergleich: ganz Berlin hat 892 qkm) mit über 60 Orten liegt bei ungefähr 1.400. Außer der Hauptkirche gibt es Kapellen in Roßla, Stolberg/Harz und Allstedt, in denen inzwischen nur noch alle vier Wochen eine Vorabendmesse angeboten werden kann. Der Anteil der Katholiken liegt im Ausgangsland der Reformation bei etwa 3%.

Die Anfänge

Die Pfarrei wurde als Missionspfarrei ohne Patronat und eigene Kirche in Sangerhausen 1864 gegründet. Sie war zunächst ein Teilgebiet der älteren Pfarrei St. Gertrud in Eisleben. In den Jahren 1892-93 gelang es, eine eigene Kirche in neogotischem Stil zu errichten. Sie wurde 1894 dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht und ist bis heute die Hauptkirche der Pfarrei. Bis zum Jahr 1900 war auch die kirchliche und staatliche Errichtung einer selbständigen Pfarrei Herz-Jesu in Sangerhausen formalrechtlich abgeschlossen.

Nach dem II. Weltkrieg wuchs die Zahl der Katholiken im Pfarrgebiet durch die Ansiedlung vieler Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten sprunghaft an, zeitweilig überstieg sie die Zahl von 10.000 Katholiken. Obwohl viele der Geflüchteten weiter gen Westen zogen, sah man die Notwendigkeit, zahlreiche weitere Gottesdienststätten in Dörfern sowie je eine Kuratie in Roßla und Wippra einzurichten, die von Vikaren und Kuraten versorgt wurden.

Wandel nach der Wende

Nach der Wiedervereinigung 1990 kehrte sich die Entwicklung um. Es setzte eine starke Abwan­de­rung ein, so dass die Zahl der Gottesdienstorte nach und nach reduziert werden musste. Nur Roßla blieb für das westliche Pfarrgebiet bis heute (2022) erhalten.

Dafür wuchs das Pfarrgebiet an anderer Stelle. Im Zuge der Wiedererrichtung des Bistums Magdeburg 1994 wurde die Bistumsgrenze an die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen angepasst. Dies hatte zur Folge, dass die Pfarrei St. Wigbert in Allstedt, 12 km südöstlich von Sangerhausen gelegen, vom Bistum Erfurt ins Bistum Magdeburg gelangte und seitdem von Sangerhausen aus betreut wird.

Eine weitere Vergrößerung durch eine ehemalige Erfurter Pfarrei erfuhr das Pfarrgebiet im Zuge der Schaffung von Großpfarreien. Die kleine Pfarrei St. Johannes am Jordan in Stolberg, 40 km nordwest­lich im Harz gelegen, wurde ebenfalls Teil des Pfarrgebie­tes. Die kleineren Pfarreien wurden spätestens mit der Umschreibung und Gründung der Großpfarrei im Jahre 2010 aufgelöst.

Herz-Jesu vs. Hl. Jutta

Den neuen Großpfarreien wurde es freigestellt, das Patronat der Hauptkirche oder ein anderes Patronat für das neu entstandene Pfarrgebiet anzunehmen. Nach langer Diskussion und einer sehr knappen Abstimmung in der Pfarrei entschlossen sich die Gremien zur Umbenennung. Die einzige aus Sangerhausen stammende Heilige, die vor allem an der Weichsel verehrte heilige Jutta, erlebte gerade eine Renaissance im Ort und wurde zur Patronin der vergrößerten Pfarrei erwählt.
Die Patronate der einzelnen Kirchen blieben jedoch bestehen, so dass die Hauptkirche der Pfarrei St. Jutta weiterhin die Herz-Jesu-Kirche in Sangerhausen ist. (Es gibt also keine St.-Jutta-Kirche, was immer wieder zur Verwirrung führt.)

Neue Wege: Leitungsteams in der Pastoralen Region

Die neue Ordnung hielt nicht lange. Im März 2021 wurden von Bischof Dr. Gerhard Feige nach langen Beratungen „Pastoralregionen“ errichtet. Diese stellen einen Zusammenschluss mehrerer Pfarreien dar, die zunehmend enger miteinander kooperieren sollen. Die Pastoralregion Mansfeld-Südharz deckt den gesamten Landkreis ab, geht an einigen Stellen sogar darüber hinaus und besteht aus den vier Pfarreien St. Jutta in Sangerhausen, St. Georg in Hettstedt, St. Gertrud in Eisleben und St. Bruno in Querfurt.

Schon vorher wurde seit 2016 im Bistum Magdeburg ein neues Leitungsmodell erprobt, das Leitungsteam. Es beruht darauf, dass ein Team von Ehrenamtlichen gemeinsam mit einem Priester als "Geistlichem Moderator" mit der Seelsorge betraut wird. Der Priester fungiert dabei nicht mehr als Gemeindepfarrer im herkömmlichen (kanoni­schen) Sinn, sondern widmet sich als Seelsorger „nur“ den pastoralen und sakramentalen Kernaufgaben in mehreren Pfarreien. Um dies zu ermöglichen, wird er von allen administrativen Aufgaben, einschließlich der Leitung des Kirchenvorstandes, durch Ehrenamtliche entlastet. PGR und KV erhalten somit eine höhere Verantwortung und Selbständigkeit, während das neu eingerichtete Leitungsteam (LT), dem auch der Geistliche Moderator angehört, die Leitungsebene darstellt.  

Von der versorgten zur selbst sorgenden Pfarrei

In der Pfarrei St. Jutta wurde Anfang Juli 2021 im Rahmen eines Pontifikalamtes – Corona bedingt auf der Wiese vor der Kirche – das erste Leitungsteam von Bischof Dr. Gerhard Feige ernannt. Bereits 2020 waren der Geistliche Moderator Pfr. Bahrke und Gemeindereferentin Frau Degenhardt zusätzlich mit der Seelsorge in der schon länger LT- geleiteten Nachbarpfarrei St. Georg, Hettstedt beauftragt worden. Im Sept 2021 kam mit Gemeindeassistent Tim Wenzel ein junger Mitarbeiter in die Pastoralregion, dessen Arbeitsgebiet alle vier Pfarreien umfasst.

Zum jetzigen Zeitpunkt (Jan. 2022) wird für die Pfarrgebiete St. Jutta und St. Georg ein gemeinsamer Gottesdienstplan erstellt, damit an Sonn- und Feiertagen in den sieben Gottesdienstorten eine Eucharistie- oder Wort-Gottes-Feier gehalten werden kann. Möglich wird dies nicht nur durch das Engagement von vier Priestern und je zwei haupt- und ehrenamtlichen Gottesdienstbeauftragten, sondern auch von vielen weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf allen Ebenen, die die Küster-, Hausmeister- und liturgischen Dienste abdecken und auch die Gruppen- und Gremienarbeit tragen und verantworten.
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