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Erhebung zur Pfarrei St. Jutta

Mit einem festlichen Gottesdienst begannen am 2. Mai 2010 die Feierlichkeiten zur Pfarreierhebung St. Jutta. Der Gottesdienst wurde feierlich gestaltet vom Kirchenchor, welcher die „Messe breve` No. 7 von Charles Gounod sang. Je ein Vertreter der Gottesdienststationen nahm als Zeichen der Zusammengehörigkeit eine Kerze entgegen.

Auf Plakaten in der Kirche konnte man sich über das Leben und Wirken Juttas informieren. Nach dem Aufruf zu einem Ideenwettbewerb entstand in der Juttakapelle eine Ausstellung mit Bildern, Plastiken und Schriften. Ein besonderes Ausstellungsstück war nicht nur für das Auge, sondern auch für den Gaumen. 
Zum Mittag wurde wieder traditionell ein leckeres Essen in der Gulaschkanone gekocht.

Am Nachmittag gab, anlässlich seines fünfjährigen Bestehens, der Gospelchor ein Konzert mit neuen und alten Liedern. Unter die Haut ging unter anderem das Mottolied „ Deep in my soul", welches dem Chor den Namen gab. 
Sehr interessant waren die anschließenden Ausführungen von Dr. Gerlinghoff über unsere Namenspatronin. Auf Grund seiner intensiven Forschungsarbeit über die Hl. Jutta legte er dar, dass ihr Leben über die Jahrhunderte hinweg Vorbild ist und sie mit Recht als Heilige verehrt wird.

Anschließend konnte man sich Dank vieler Freiwilliger an einem reichlich gedeckten Kuchenbuffet stärken.
Die Mai- und Juttaandacht unter Mitwirkung des evang. Posaunenchores bildete den Abschluss des Neubeginns unserer Pfarrei.

Allen Mitwirkenden „vor und hinter den Kulissen" ist es zu verdanken, dass dies ein rundum gelungener Tag war und es zeigt auch, dass Gemeinde nur lebendig sein kann, wenn sich jeder Einzelne nach seinen Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringt. WW

Kleine Chronik der kath. Pfarrei in Sangerhausen

1539

Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen (Dresden) durch Herzog Heinrich. Da das Kurfürstentum Sachsen (Wittenberg) schon länger protestantisch war, erlosch damit in ganz Sachsen der Katholizismus. Dem Glaubenszwang folgend, mußten Katholiken das Land verlassen oder konvertieren.

1849

Katholische Bürger bitten den Bischof von Paderborn darum, daß zweimal im Jahr eine hl. Messe in Sangerhausen gefeiert werde. Der Bischof wiederum wendet sich an den Dechanten von Nordhausen mit der Bitte, einen Vikar damit zu beauftragen.
Ob tatsächlich Meßfeiern in Sangerhausen stattfanden und wo, ist bisher nicht zu klären.

1860

Der Pfarrer der ein Jahr vorher gegründeten Missionspfarrei Eisleben, Anton Kemper, zelebriert am Pfingstfest die erste belegbare hl. Messe nach der Reformation in Sangerhausen in der evang. Jacobikirche (mit bischöflicher Erlaubnis aus Paderborn).

1861

Die (vermutlich) östliche Hälfte der St. Marienkirche, zweitälteste Kirche der Stadt und zuvor der kath. Gemeinde unentgeltlich angeboten, wird restauriert. Die Kosten bringen Graf Bochholtz-Asseburg auf Hinneburg und das Generalvikariat Paderborn auf.

1862

Der Mietvertrag für 30 Jahre unentgeltlicher Nutzung einer Hälfte der Marienkirche durch die kath. Gemeinde beginnt. In der anderen Hälfte der Kirche haben die Altlutheraner ihr Domizil.

1863 September

Bf. Konrad Martin von Paderbron verspricht anläßlich einer Firmung in Sangerhausen die Anstellung eines Vikars in Sangerhausen.

1864 April

Am 12. April wird Neupriester Julius Albers als Missionsvikar eingeführt, einen Monat später die Missionspfarrei Sangerhausen offiziell errichtet. Die Gemeinde muß sich an der Finanzierung beteiligen und den Mietzuschuß für den Vikar sowie die Kultuskosten für 5 Jahre übernehmen. Für denselben Zeitraum bringen Förderer aus Paderborn das Vikarsgehalt auf.

1880er Jahre

Angsichts der 1892 auslaufenden Nutzung der Marienkirche bemühen sich mehrere Pfarrer um ein Grundstück und um Bauplanungen für eine eigene Kirche. Der auch ins Auge gefaßte Erwerb der Marienkirche wird von der Stiftsinspektion in Sangerhausen abgelehnt. Daher kauft Pfr. Bergmann ein Grundstück an der Ecke Hüttenstraße / Bahnhofstraße und sondiert erste Bauplanungen.

1890

Die Zeit drängt, als Pfr. Borggrefe Ende August die Pfarrei übernimmt. Im Dezember benachrichtigt er zweimal das General-vikariat in Paderborn davon, daß er beabsichtige, das früher erworbene Grundstück zu veräußern, da er mehrere günstigere und größere Immobilien an der Hand habe. Von der Differenz wolle er den Kirchbau mitfinanzieren.

1891

Da der Bischofsstuhl gerade vakant und keine Entscheidung zu erwarten ist, der Gemeinde aber nur noch ein Jahr Zeit bleibt für das gesamte Bauprojekt, erwirbt Pfr. Borggrefe kurz entschlossen das um die Hälfte größere Grundstück in der Mogkstraße für 9.500 Mark auf seinen Namen (20. März). Das andere Grundstück hatte er wohl vorher für rund 28.000 Mark verkaufen können.
Trotz dieses schnellen Handelns ziehen sich die Verhandlungen zum Kirchbau hin. Am 8. Mai mahnt Pfr. Borggrefe brieflich zur Eile, da die Marienkirche sehr baufällg sei, ein Mann sogar verletzt wurde. In diesem Brief teilt er dem Generalvikar auch mit, daß er die neue Kirche dem Heiligsten Herzen Jesu weihen wolle.

Man entscheidet sich schließlich für den Paderborner Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig, der am 11. Juli einen Entwurf vorlegt und am 15. Oktober eine Baukostenplanung, die sich auf 47.504 Mark beläuft. Doch bis zur kirchlichen Genehmigung der Auschreibung dauert es noch Monate.

1892 29. September Grundsteinlegung

Vom 25. Februar datiert der ausführliche Kostenvoranschlag des Baugeschäfts Ferdinand Thate aus Sangerhausen, das auch den Zuschlag erhält. Nun zieht sich die Baugenehmigung durch den königlichen Landrat bis zum 27. September hin. Danach geht alles sehr schnell. Bereits zwei Tage später wird am Fest des heiligen Erzengels Michael der Grundstein gelegt, schon am 13. Dezember das Richtfest gefeiert.

1893 19. August Bauabnahme

Wenige Monate später, am 29. März, ist die Kirche bereits im Rohbau fertiggestellt und es beginnen die Arbeiten an der Innenausstattung. Die Abnahme des gesamten Kirchbaus erfolgt am 19. August nach einer rekordverdächtigen Gesamtbauzeit von zehneinhalb Monaten.
Am Sonntag, 20. August 1893 benediziert Pfr. Borggrefe im Auftrag des Dechanten von Weißenfels vorläufig die Kirche und feiert die erste hl. Messe, da der Paderborner Bischof erst im nächsten Jahr die ferne preußisch-sächsische Provinz aufsuchen kann.

1894 29. Mai Konsekration

Der Paderborner Bischof Dr. Hubertus Simar konsekriert die neu erbaute Sangerhäuser Kirche und weiht sie dem Heiligsten Herzen Jesu. Die Reliquien im Hochaltar stammen von den Märtyrern Cosmas und Damianus.
Erwähnt sei, daß Bischof Dr. Simar während dieser Firmreise auch die zur selben Zeit erbauten Kirchen in Klostermansfeld und Hettstedt konsekrierte.

1898 26. September Erhebung zur Pfarrei

Auf Betreiben des neuen Pfarrers Robert Heddergott erhebt Bischof Dr. Hubertus Simar mit Beurkundung vom 26. Sept. 1898 die Missionspfarrei Sangerhausen zur wirklichen Pfarrei. Bis zum 31. März 1900 wurde auch die staatliche Bestätigung vollzogen und damit die Gründung einer eigenständigen katholischen Pfarrei in Sangerhausen nach fast 50jährigen Bemühungen abgeschlossen.

1905

Im Frühjahr wird nach zweijähriger Planungs- und Bauphase die erste Orgel in der Kirche errichtet.