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Kleine Chronik der kath. Pfarrei in Sangerhausen

1539

Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen, zu dem Sangerhausen gehörte, durch Herzog Heinrich in Dresden. Da das Kurfürstentum Sachsen (Wittenberg) schon länger protestantisch war, erlosch damit in ganz Sachsen der Katholizismus. Dem Glaubenszwang folgend - cujus regio, eius religio - mußten Katholiken ihre sächsische Heimat verlassen oder zum Protestantismus konvertieren.

1849

Katholische Bürger bitten den Bischof von Paderborn darum, daß zweimal im Jahr eine hl. Messe in Sangerhausen gefeiert werde. Der Bischof wiederum wendet sich an den Dechanten von Nordhausen mit der Bitte, einen Vikar damit zu beauftragen.
Ob tatsächlich Meßfeiern in Sangerhausen stattfanden und wo, ist bisher nicht zu klären.

1860

Der Pfarrer der ein Jahr vorher gegründeten Missionspfarrei Eisleben, Anton Kemper, zelebriert am Pfingstfest die erste historisch belegbare hl. Messe nach der Reformation in Sangerhausen. Sie fand mit bischöflicher Erlaubnis aus Paderborn in der evang. Jacobikirche statt.

1861

Die (vermutlich) östliche Hälfte der St. Marienkirche, zweitälteste Kirche der Stadt und zuvor der kath. Gemeinde unentgeltlich als Gottesdienststätte angeboten, wird restauriert. Die Kosten bringen Graf Bochholtz-Asseburg auf Hinneburg und das Generalvikariat Paderborn auf.

1862

Der Mietvertrag für 30 Jahre unentgeltlicher Nutzung einer Hälfte der Marienkirche durch die kath. Gemeinde beginnt. In der anderen Hälfte der Kirche haben die Altlutheraner ihr Domizil.

1863 September

Bf. Konrad Martin von Paderborn verspricht anläßlich einer Firmung in Sangerhausen die Anstellung eines Vikars in der Stadt.

1864 April / Mai

Am 12. April wird Neupriester Julius Albers als Missionsvikar eingeführt, einen Monat später die Missionspfarrei Sangerhausen offiziell errichtet. Die Gemeinde muß sich an der Finanzierung beteiligen, indem sie den Mietzuschuß für den Vikar sowie die Kultuskosten für 5 Jahre übernimmt. Für denselben Zeitraum bringen Förderer aus Paderborn das Vikarsgehalt auf.

1880er Jahre

Angsichts der 1892 auslaufenden Nutzung der Marienkirche bemühen sich mehrere Pfarrer um ein Grundstück und um Bauplanungen für eine eigene Kirche. Der auch ins Auge gefaßte Erwerb der Marienkirche wird von der Stiftsinspektion in Sangerhausen abgelehnt. Daher kauft Pfr. Bergmann ein Grundstück an der Ecke Hüttenstraße / Bahnhofstraße und sondiert erste Bauplanungen.

1890

Die Zeit drängt, als Pfr. Borggrefe Ende August die Pfarrei übernimmt. Im Dezember benachrichtigt er zweimal das General-vikariat in Paderborn davon, daß er beabsichtige, das früher erworbene Grundstück zu veräußern, da er mehrere günstigere und größere Immobilien an der Hand habe. Von der Differenz wolle er den Kirchbau mitfinanzieren.

1891

Da der Bischofsstuhl gerade vakant und keine Entscheidung zu erwarten ist, der Gemeinde aber nur noch ein Jahr Zeit bleibt für das gesamte Bauprojekt, erwirbt Pfr. Borggrefe kurz entschlossen das um die Hälfte größere Grundstück in der Mogkstraße für 9.500 Mark auf seinen Namen (20. März). Das andere Grundstück hatte er wohl vorher für rund 28.000 Mark verkaufen können.
Trotz seines schnellen Handelns zieht sich das Verfahren zum Kirchbau hin. Am 8. Mai mahnt Pfr. Borggrefe brieflich zur Eile, da die Marienkirche sehr baufällg sei, ein Mann sogar verletzt wurde. In diesem Brief teilt er dem Generalvikar auch mit, daß er die neue Kirche dem Heiligsten Herzen Jesu weihen wolle.

Man entscheidet sich schließlich für den Paderborner Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig, der am 11. Juli einen Entwurf vorlegt und am 15. Oktober eine Baukostenplanung, die sich auf 47.504 Mark beläuft. Doch bis zur kirchlichen Genehmigung der Auschreibung dauert es noch Monate.

1892 29. September Grundsteinlegung + Richtfest

Vom 25. Februar datiert der ausführliche Kostenvoranschlag des Baugeschäfts Ferdinand Thate aus Sangerhausen, das auch den Zuschlag erhält. Nun zieht sich die Baugenehmigung durch den königlichen Landrat bis zum 27. September hin. Danach geht alles sehr schnell. Bereits zwei Tage später wird am Fest des heiligen Erzengels Michael der Grundstein gelegt, schon am 13. Dezember das Richtfest gefeiert.

1893 19. August Bauabnahme

Wenige Monate später, am 29. März, ist die Kirche bereits im Rohbau fertiggestellt und es beginnen die Arbeiten an der Innenausstattung. Die Abnahme des gesamten Kirchbaus erfolgt am 19. August nach einer rekordverdächtigen Gesamtbauzeit von zehneinhalb Monaten.
Am Sonntag, 20. August 1893 benediziert Pfr. Borggrefe im Auftrag des Dechanten von Weißenfels vorläufig die Kirche und feiert die erste hl. Messe, da der Paderborner Bischof erst im nächsten Jahr die ferne preußisch-sächsische Provinz aufsuchen kann.

1894 29. Mai Konsekration

Der Paderborner Bischof Dr. Hubertus Simar konsekriert die neu erbaute Sangerhäuser Kirche und weiht sie dem Heiligsten Herzen Jesu. Die Reliquien im Hochaltar stammen von den Märtyrern Cosmas und Damianus.
Erwähnt sei, daß Bischof Dr. Simar während dieser Firmreise auch die zur selben Zeit erbauten Kirchen in Klostermansfeld und Hettstedt konsekrierte.

1898 26. September Erhebung zur Pfarrei

Auf Betreiben des neuen Pfarrers Robert Heddergott erhebt Bischof Dr. Hubertus Simar mit Beurkundung vom 26. Sept. 1898 die Missionspfarrei Sangerhausen zur wirklichen Pfarrei. Bis zum 31. März 1900 wurde auch die staatliche Bestätigung vollzogen und damit die Gründung einer eigenständigen katholischen Pfarrei in Sangerhausen nach fast 50jährigen Bemühungen abgeschlossen.

1905

Im Frühjahr erhält nach zweijähriger Planungs- und Bauphase die Kirche ihre erste Orgel.

1909

Die junge Pfarrei verzeichnet nun 1.100 Mitglieder - 400 mehr als bei der Grundsteinlegung -, und weitere ca. 2.000 überwiegend polnische Katholiken kommen in den Sommermonaten hinzu.
Im Frühjahr wird Johannes Schreckenberg als neuer Pfarrer in Sangerhausen eingeführt.

1914

Die Pfarrei feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Inzwischen blüht das Gemeindeleben durch Gründung verschiedener Gruppen auf, die damals Vereine hießen. So gibt es u. a. einen Männerverein, einen Jünglingsverein und - eine "Jungfrauenkongregation".

1917

Bereits ein Jahr nach Vollendung der Kirche waren drei Bronzeglocken in den Turm eingezogen. Nun müssen, keine zweieinhalb Jahrzehnte später, die beiden größten Glocken für Rüstungszwecke abgegeben werden. Auch die Prospektpfeifen der Orgel werden eingeschmolzen.

1926-30

In diesen Jahren des kurzen wirtschaftlichen Aufschwung der Weimarer Republik leistet sich auch die kath. Pfarrei einige Neuanschaffungen, z. T. um Kriegsverluste zu ersetzen. Anfang 1926 erhalten Kirche und Pfarrhaus elektrisches Licht, am Ende desselben Jahres vervollständigen neue Prospektpfeifen die Orgel. Der Hochaltar wird renoviert (Juni 1930), und am 10. August 1930 können aufgrund großzügiger Schenkungen zwei neue Bronzeglocken eingeweiht werden.

1939-45

Bereits kurz nach Kriegsbeginn erreichen einige hundert Flüchtlinge aus dem geräumten Saargebiet, die meisten von ihnen Katholiken, die Sangerhäuser Gemeinde und müssen untergebracht werden.
1942 werden die beiden erst vor 12 Jahren angeschafften großen Glocken wiederum eingezogen.
Kurz vor Kriegsende, am 22. Februar 1945, erfolgt der verheerendste Luftangriff auf Sangerhausen. Zwar trifft keine der Bomben direkt die Kirche, doch werden einige Wohnhäuser in den umliegenden Straßen zerstört. Ein Volltreffer im nahen Bahnhof bringt einen Munitionszug zur Explosion. Umherfliegende Steine und der Luftdruck beschädigen Dächer und Fenster vieler Häuser und der Kirche.

1945-47

Nach Kriegsende erreichen sehr viele Flüchtlinge aus dem Osten auch Sangerhausen. Der Anteil der Katholiken erreicht zeitweise 20% der Stadtbevölkerung - die höchste Quote überhaupt - und rund 10.000 Mitglieder.
Am 25. Janaur 1946 stirbt Pfarrer Heinrich Schüth, der seit 1935 die Pfarrei in schweren Zeiten geleitet hat. Als einzigem wird ihm ein Grab auf dem Kirchengrundstück zuteil, ursprünglich wenige Meter vom Scheitelpunkt des Chores entfernt.
Es ist noch seinen Bemühungen zu verdanken, daß bereits seit Spätsommer 1946 alle Kirchenfenster ersetzt werden können, beginnend mit den drei hohen Chorfenstern. Die Kosten tragen die Gemeinde und das Bonifatiuswerk.
Aufgrund einer plötzlichen Schneeschmelze im März 1947 tritt die Gonna über die Ufer und setzt das Kirchenschiff bis zu den Stufen des Altarraums unter Wasser. Der Kirchenboden senkt sich dadurch um 10-12 cm.

...wird fortgesetzt

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